SPD-Fraktion zur Visite im Universitätsklinikum Brandenburg

Veröffentlicht am 30.11.2022 in Allgemein

Im Rahmen des etablierten Formates “Fraktion vor Ort” besuchten die Stadtverordneten und die sachkundigen Einwohner der hiesigen SPD am Montag das Universitätsklinikum Brandenburg. Die Geschäftsführerin Gabriele Wolter gab einen knackigen Exkurs durch die aktuellen Probleme, welche das Krankenhaus, wie viele andere Unternehmen aus anderen Branchen, momentan enorm belasten. Die Energiekrise, zeitlich nachhängende Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen und die galoppierende Inflation machen es der Klinikchefin und Ihren Mitarbeitern schwer, zum jetzigen Zeitpunkt einen belastbaren Wirtschaftsplan für das kommende Jahr aufzustellen. Die vereinbarten Budgets für die Jahre 2019 und 2020 werden dem Klinikum beispielsweise erst aktuell, ab dem November 2022 ausgezahlt, berichtet Gabriele Wolter. Maßnahmen zur Einsparung von Strom und Wärme wurden getroffen, frieren müssen die Patienten aber natürlich nicht. Die Patientenzimmer werden weiterhin auf konstante 22 Grad beheizt um Genesungs- und Heilungsprozesse nicht negativ zu beeinflussen. Strom produziert man mittlerweile selbst. Bereits im November 2021 wurde eine PV-Anlage auf den Dächern des Bettenhauses und des Hauses 11 installiert, welche immerhin 5% des im Klinikum jährlich benötigten Stroms beisteuert.

Enttäuscht zeigte sich die Geschäftsführung über die aktuell noch nicht finalen Verhandlungen zum Landesbasisfallwert des Landes Brandenburg für das kommende Jahr. Durch diesen werden den Krankenhäusern die entstandenen Kosten im Rahmen der stationären Krankenhausbehandlung je Fall erstattet. Für 2023 ist eine Erhöhung von nur etwas mehr als 4% vorgesehen. Dem gegenüber stehen bekanntermaßen Inflationsraten von teilweise 10%. Die dadurch entstehende Lücke im Budget der Klinik wurde allen Anwesenden bewusstgemacht.

Besonders wichtig war es den Sozialdemokraten aber auch, zwei Themen der ambulanten Versorgung anzusprechen. Ist eine Entscheidung zur möglichen Etablierung des Studiengangs der Zahnmedizin am Campus Brandenburg an der Havel seitens der Medizinischen Hochschule bereits gefallen? Hier hatte Gabriele Wolter noch keine finale Entscheidung zu verkünden.

Die nächste Gesellschafterversammlung findet im Dezember statt, mal schauen, ob die Entscheidung zwischen den noch im Rennen befindliche Kandidaten Brandenburg an der Havel und Bernau dann gefällt und verkündet wird.

Die Situation vieler Frauen aus der Havelstadt, aber auch aus dem Umland, welche auf einen Termin zur Mammographie warten, bereitet der Geschäftsführerin sichtlich Sorgen. Der durch die Tochtergesellschaft Gesundheitszentrum Brandenburg an der Havel GmbH beantragte Sonderbedarf bei der Kassenärztlichen Vereinigung zur Durchführung dieser dringend benötigten ambulanten Leistung wurde zuerst positiv beschieden. Mitarbeiterinnen wurden weitergebildet und erste Untersuchungen konnten durchgeführt werden, Termine wurden vergeben. Leider ging bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ein Widerspruch seitens einer in Brandenburg an der Havel ansässigen radiologischen Praxis gegen diesen genehmigten Sonderbedarf ein, dem letztendlich auch stattgegeben wurde. Schlussendlich steht nun aktuell der Fakt, dass keine Praxis in Brandenburg an der Havel und Umgebung aktuell Mammographien durchführt. Die betroffenen Frauen müssen bis nach Potsdam und Berlin fahren, teils erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Klinikchefin berichtet, dass man nun erst einmal die schriftliche Begründung der KV zum nun abgelehnten Sonderbedarf abwarten müsse. Erst dann könne man sich juristisch gegen diesen zur Wehr setzen. Die Fraktionsvorsitzende Britta Kornmesser dazu: “Wir werden als SPD bei diesem Thema nicht lockerlassen und uns weiterhin aktiv dafür einsetzen, dass hier eine Lösung im Sinne der Patientinnen gefunden wird. Es ist den betroffenen Frauen in Brandenburg an der Havel und Umgebung nicht vermittelbar, dass sie auf Grund bürokratischer Hürden die für ihre Gesundheit wichtigen Mammographieuntersuchungen derzeit weder zeit- noch ortsnah erhalten können.“  

Nach knapp zwei Stunden waren viele Informationen ausgetauscht und Fragen beantwortet. Man vereinbarte, auch zukünftig in einem engen Austausch zu bleiben. Natürlich liegt ein stabiles und weiter wachsendes Universitätsklinikum in kommunaler Trägerschaft im Interesse Aller. Hierzu müssen die aufgezeigten Probleme aber ernst genommen werden. Hilfsleistungen seitens des Bundes müssen besser mit den Kliniken abgestimmt und kommuniziert werden. Nur so kann die etablierte Krankenhauslandschaft, auch in unserer Havelstadt, weiter existieren.

 
 

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